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    Aktivist:innen malen sexuelle Übergriffe auf Aachens Straßen

    Ob Hinterher-Pfeifen, Hinterher-Hupen, Kuss-Geräusche, Kommentare über den eigenen Körper, Verfolgungen und sogar Bedrängungen – viele Menschen in Deutschland erleben solche Dinge täglich und sind diesen schutzlos ausgesetzt. Eine Gruppe von Aachener:innen macht diese Übergriffe öffentlich – und setzt sich auch für eine Gesetzesänderung ein.

    Content-Note: In diesem Artikel geht es um sexuelle Belästigung und sexualisierte Gewalt. Wenn du selbst Opfer sexualisierter Gewalt bist, findest du unten lokale Hilfsangebote aus Aachen.

    CatCalling ist sexuelle Belästigung im öffentlichen Raum

    „Nicht jeder Mann macht es, aber jede Frau kennt es.“ Mit diesen Worten startet die Online-Petition der Fuldaer Studentin Antonia Quell, die seit August 2020 fast 70.000 Menschen unterstützt haben. Die Rede ist vom sogenannten CatCalling – also verbaler sexueller Belästigung wie beispielsweise anzüglichen Kommentaren oder unangebrachten Gesten gegenüber Menschen im öffentlichen Raum, die sexuell konnotiert sind.

    Diese Form von sexueller Belästigung ist nach dem deutschen Sexualstrafrecht nicht strafbar – Der Straftatbestand der sexuellen Belästigung greift in Deutschland nämlich nur, wenn körperliche Berührungen in sexuell bestimmter Weise geschehen. Nur wenige Kilometer von Aachen entfernt – in den Niederlanden und in Belgien – ist CatCalling strafbar und führte beispielsweise in Rotterdam im Dezember 2018 erstmals zu einer Verurteilung. Auch Frankreich hat eine Gesetzesänderung bereits anschicken und verhängt mittlerweile hohe Geldstrafen für die anzüglichen Kommentare, allein im ersten Jahr nach dem Inkrafttreten des neuen Gesetzes wurden über 700 Täter:innen verurteilt.

    Aktivist:innen kreiden CatCalling an

    Auch in Deutschland wächst der Widerstand gegenüber den Täter:innen und der Druck auf die Politik weiter. Nach dem Vorbild einer New-Yorker Aktivistin gibt es seit längerem in rund 70 Städten häufig reichweitenstarke Instagram-Accounts, welche die verbalen Übergriffe publik machen. Die Grundlage dieser Inhalte bietet für die meisten dieser Accounts das „Ankreiden“, also die Schilderung der Übergriffe auf öffentlichen Plätzen wie in Innenstädten oder an Bahnhöfen mit Kreide. Auch in Aachen wird bereits seit Ende Oktober „angekreidet“, die dazugehörige Gruppe besteht aus zwanzig Mitgliedern und hat mittlerweile über 70 Übergriffe publik gemacht.

    Die Reaktionen sind meistens positiv

    Ein Mitglied dieser Gruppe ist Lena, sie ist 20 Jahre alt und studiert soziale Arbeit an der katholischen Hochschule in Aachen. Sie hat im Oktober mit einer Freundin einen angekreideten Übergriff gesehen und engagiert sich seitdem in der Gruppe. Laut ihr zeigen viele Passanten Interesse an den angekreideten Aussagen, die häufig auch mit einer sogenannten Trigger-Warnung versehen sind, um Betroffene nicht unnötig an das Erlebte zu erinnern.

    Die Gruppe habe bereits mit vielen Frauen und Männern und vor allem jungen Menschen konstruktive Gespräche über die Problematik geführt und nur vereinzelt mit ablehnenden Reaktionen zu tun. Noch positiver verhalten sich die Reaktionen auf dem Instagram-Account der Gruppe, vor allem werde der Account von jungen Frauen zum Schildern der Übergriffe genutzt, welche Lena und ihre Mitstreiterinnen dann in ganz Aachen ankreiden.

    Das CatCalling-Verbot soll Gleichberechtigung schaffen

    Dabei sehen sich die Aktivist:innen nicht als Therapieangebot, aber auch als Vermittlungsstelle zu solchen. In Aachen sind das die Beratungsstellen „RückHalt e.V.“, „Frauen helfen Frauen“ oder der „Weiße Ring“ aber auch Angebote wie die Telefonseelsorge oder die Hilfetelefone „Gewalt gegen Frauen“ oder „Sexueller Missbrauch“.

    Die CatCalling-Gegner:innen sind aber nicht nur in Aachen, sondern mittlerweile auch deutschlandweit organisiert und vernetzt. Einige erarbeiten beispielsweise Forderungen an die Politik anlässlich der Bundestagswahl im September 2021. Die Bewegung versteht sich als NGO und hat auch die Absicht, bei Präventionsarbeit an Schulen mitzuwirken. Langfristig wollen die Aktivist:innen durch das CatCalling-Verbot Gleichberechtigung schaffen. Besonders Frauen, die am öftesten zum Opfer von CatCalling werden, sollen sich frei und sicher bewegen können.

    Die erwähnte Petition läuft noch kurze Zeit und kann hier unterschrieben werden:

    https://www.openpetition.de/petition/online/es-ist-2020-catcalling-sollte-strafbar-sein

    Alle Hilfsangebote in Aachen und Umgebung bei sexualisierter Gewalt hat die Gruppe in einem Instagram-Highlight zusammengefasst:

    https://www.instagram.com/s/aGlnaGxpZ2h0OjE4MDMzOTIzMzY1Mjg1MTE2

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