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    Auf Kundgebungen und in der Kommunalpolitik: Aachen zeigt Solidarität mit afghanischen Flüchtlingen

    Die Machtübernahme der Taliban in Afghanistan und dessen Folgen - für Mädchen, Frauen und all diejenigen, die nicht ins Weltbild der Extremisten passen - bewegt die Menschen. Ihr Siegeszug hat die Hoffnung vieler auf Frieden und Freiheit in Afghanistan zerstört. Das hat Spuren hinterlassen, aber auch eine Welle der Solidarität.

    150 Teilnehmer:innen bei Afghanistan-Kundgebung

    Diese Solidarität war am Mittwochabend spürbar: 150 Menschen hatten sich am Elisenbrunnen versammelt, um unter dem Motto „Wir haben Platz – Evakuierung jetzt!“ für die Sicherheit der Afghan:innen zu demonstrieren. Einen Tag Mobilisierung, ein paar Redebeiträge und eine kleine Musikbox, mehr brauchte es nicht für die spontan organisierte Kundgebung. In den sozialen Medien wurde für die Aktion geworben, die von einer Handvoll Leute organisiert wurde.

    Um Hilfe für die bedrohten Einwohner:innen und Kritik am Handeln der Bundesregierung, darum ging es auf der Kundgebung. So wurde an die Verantwortlichen appelliert, die Luftbrücke zu erhalten, mit der hunderte Afghan:innen gerade aus Kabul gerettet werden. Die Menschenrechte müssten geschützt werden, besonders die derer, die von den Taliban unterdrückt und ermordet werden.

    Deutschlandweiter Protest

    Auch in einigen anderen deutschen Städten wurde schon für Schutz und Aufnahme der Afghan:innen in Deutschland demonstriert. Protestaktionen fanden zum Beispiel in Köln, Potsdam und Berlin statt, meistens organisiert von der Bewegung Seebrücke. Die plant am Samstag auch in Aachen eine Kundgebung um 14 Uhr am Markt.

    „Die Stadt Aachen ist bereit, Menschen aufzunehmen.“

    Einem Medienbericht zufolge fordert Oberbürgermeisterin Sybille Keupen, Afghan:innen, die für Bundeswehr und Hilfsorganisationen gearbeitet haben, in Aachen aufzunehmen. Das erklärt sie in einem Brief an Innenminister Horst Seehofer. Vor allem einen bestimmten Beschluss vom Mai dieses Jahres benutzt Keupen als Argument. Der Aachener Stadtrat hatte sich nämlich dazu entschlossen, dass Aachen dem Bündnis „Sicherer Hafen“ beitreten soll. Die 267 Mitgliedsstädte des Bündnisses bieten sich an, in Not geratene Geflüchtete willkommen zu heißen und aufzunehmen.

    Der Brief im Wortlaut

    Keupen appelliert auch „für einen Kurswechsel in der Flüchtlingspolitik, der humanitäre Verantwortung in den Mittelpunkt stellt.“ Im Brief verkündet sie laut einem Bericht des Lokalradios Antenne AC:

    „Die Bilder von Rettung suchenden Menschen am Flughafen Kabul erschüttern die Bürger*innen in Aachen. Schnelle und unbürokratische Hilfe der Bundesregierung angesichts der aktuellen Entwicklungen in Afghanistan ist jetzt notwendig. Als Stadt, die dem Bündnis Sichere Häfen angehört, ist es für uns eine humanitäre Verpflichtung den Menschen zu helfen, die für die Bundeswehr und die Hilfsorganisationen gearbeitet haben und die nun in akuter Gefahr leben.


    Der Rat der Stadt Aachen hat mit dem Beitritt des Bündnisses beschlossen, in Not geratene Flüchtlinge aufzunehmen und die Menschen in Sicherheit zu bringen. Unsere Türen stehen offen. Es hat jetzt höchste Priorität, Menschenleben zu retten. Wir sollten alles unternehmen, unbürokratisch und umgehend möglichst viele Menschen vor der Gewalt der Taliban in Sicherheit zu bringen.


    Wir brauchen einen Kurswechsel in der Flüchtlingspolitik, der humanitäre Verantwortung in den Mittelpunkt stellt. Hier hat Deutschland als Teil des Militärbündnisses gemeinsam mit den anderen NATO-Partnern eine besondere Verantwortung. Es braucht jetzt schnelle Kontingentlösungen in Deutschland für Geflüchtete aus Afghanistan. Die Stadt Aachen ist bereit, Menschen aufzunehmen.“

    Clara Heuermann
    Chefredakteurin, Alliterations- und Neologismen-Fan. Schreibt über Politik, Protest und das Leben in Aachen, wenn sie nicht gerade mit ihrem Hund die Eifel unsicher macht.

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