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    “Ich glaube, die Oberbürgermeisterin nimmt mich nicht so ernst” – Link im Interview

    "Link" - ein junger Mann in Cosplay-Kostüm, der mit Aktionen in Aachen für Aufmerksamkeit sorgt. Ein Interview über seine Anfänge, Ängste und einen goldenen Toaster.

    In seiner Welt ist Link ein Held. In grünem Hemd und mit Schwert und Schild bewaffnet löst er Quests, um die Prinzessin Zelda vom bösen Ganon zu befreien – so weit die Storyline in der Videospielreihe “The Legend of Zelda”. Darum soll es hier aber nicht gehen, denn seit einigen Monaten sorgt ein anderer Link in Aachen für Aufmerksamkeit. Mit Schwert und Schild – aus Plastik – demonstriert er mit bei Braunkohle-Demos, rennt als Flitzer durchs Tivoli oder kriegt von der Oberbürgermeisterin einen Toaster geschenkt. Mittlerweile hat Link lokale Berühmtheit erlangt, dazu hat vor allem der Aachener Instagram-Kanal acbushofmemes beigetragen. Wir haben mit Link gesprochen.

    Wie kommt es, dass man beschließt, als Videospielfigur verkleidet durch Aachen zu laufen?

    Ich komm aus Würselen, und wenn man dann schon mal in Aachen ist, muss man Eindruck schinden.

    Nee, aber im Ernst, warum machst du das?

    Aus Langeweile und weil ich viel Freizeit hatte. Wenn ich ohne Kostüm nach Aachen komme, bin ich wie Luft – so bin ich etwas besonderes. Ich hab zuerst nur Straßenmusik gemacht, Blockflöte. Dann wollte ich mit einer Okarina (Anm. d. Red.: eine rundliche Flöte) Straßenmusik machen, das allein war mir aber zu langweilig. Deshalb hab ich mir noch eine Perücke mit Hut und Ohren – die gab es als Set – bestellt. So aufzutreten hat mir Spaß gemacht und es ist super angekommen, also habe ich das weitergemacht, erst einen grünen Pulli angezogen und später dann das Kostüm.

    Wie war das denn, als du das erste Mal als Link in die Stadt gegangen bist?

    Das war im Sommer 2022, da habe ich mich an das Humboldt-Haus gesetzt und ganz lange Okarina geübt. Dann kam aber eine Frau herunter, die gesagt hat, dass das stören würde und ich gehen solle.

    Einmal habe ich während des Übens einen Karton hingestellt und die Leute haben Geld hineingeworfen. Jemand, den das wohl genervt hat, hat mir aber die ganze Zeit über von den Häusern gegenüber mit einem Laserpointer ins Gesicht geleuchtet. Zwei oder drei Mal habe ich auch schon in der Pontstraße Okarina geübt, aber dann kam die Polizei – wegen Lärmbelästigung.

    Ist das nicht ganz schön unangenehm?

    Am Anfang vielleicht ein bisschen, aber man gewöhnt sich dran. YOLO halt,‘ne?

    Im Herbst letzten Jahres warst du einmal in der Zuschauertribüne von TV Total mit dabei. In der Folge hat Moderator Sebastian Pufpaff einen Toaster verlost – allerdings nicht an dich. Das hat der Aachener Instagram-Kanal acbushofmemes aufgegriffen und eine wochenlange Witz-Kampagne unter dem Hashtag #toaster4link initiiert. Wie kam es zu all dem?

    Ein Follower hatte mir damals vorgeschlagen, zu TV Total zu gehen, also habe ich mir ein Ticket gekauft. Eigentlich hatte ich gar keine Lust, weil ich müde war und es so kalt war. Aber ich habe mich zusammengerissen und es dann doch gemacht. Und es hat sich total gelohnt, daraus ist eine so große Story entstanden… Der Admin von acbushofmemes hat das alles überhaupt erst veranlasst. Er hat auf seinem Kanal gepostet, dass alle zu dem Beitrag von Sebastian Pufpaff gehen und ihn zuspamen sollen. Ich bin gar nicht auf die Idee gekommen.

    Im Dezember hat sich die Aachener Oberbürgermeisterin Sybille Keupen eingemischt und dir im Rathaus einen goldenen Toaster überreicht. Was machst du jetzt mit dem Toaster? Steht der bei dir Zuhause herum?

    Ich habe eigentlich noch ein Video gemacht, in dem ich den Toaster in die Domschatzkammer bringe, aber es ist noch nicht veröffentlicht. In Wirklichkeit steht er Zuhause auf dem Kühlschrank, aber ich habe ihn noch nicht benutzt.
    Ich hätte mir eher so einen WMF-Toaster mit Glas gewünscht. Das hab ich Frau Keupen auch gesagt. Allerdings habe ich auch erwähnt, dass ich einen goldenen Toaster möchte – ich glaube, das hat ein bisschen überheblich gewirkt. Auf dem Toaster steht, es ist nicht alles Gold was glänzt, und er war in goldenem Papier eingepackt. Vielleicht wollten sie mir eine Lektion erteilen. Ich glaube, die Oberbürgermeisterin nimmt mich nicht so ernst.

    Am 14. Januar hast du in deinem Link-Kostüm zusammen mit Klima-Aktivist:innen vor der Tagebaukante bei Lützerath protestiert. Hast du dafür Kritik abbekommen?

    Nur ein paar Kommentare, zum Beispiel, dass mir die Polizisten dort einen Rettungsschuss geben, und mich dann hätten verbuddeln sollen ( lacht ). Die Leute, die so etwas schreiben, hassen halt das, was ich da getan habe, deswegen schreiben sie das.

    Aber du nimmst das nicht ernst?

    Nein, ich finde das lustig.

    Erlebst du Drohungen auch mal auf der Straße?

    Ja, manchmal. Ich wurde in der Pontstraße mal von Alemannia Aachen-Fans bedroht, die mich schlagen wollten. Dann bin ich einfach in einen Laden reingegangen und habe die Tür zu gehalten. Die waren von den Aachen Ultras. Manche von denen sind echt sauer wegen dem Flitzer. War halt der falsche Tag, ich hätte das bei einem Spiel machen sollen, bei dem Aachen gewinnt. Aber ich gehe dem Konflikt immer aus dem Weg.

    Fühlen sich manche Menschen von dir provoziert?

    Ja, manche schon. Einmal hat mich einer nachts in der Ponte gefragt, ob er mein Schwert nehmen dürfe, und dann hat er versucht, es auf ein Dach zu schmeißen. Es ist auf einem Balkon im dritten Stock gelandet. Ich wollte die Bewohner nicht um drei Uhr nachts wecken, deshalb habe ich bis 9 Uhr gewartet, bis ich geklingelt habe. Im Winter war das, das war ganz schön kalt.

    Ich hatte nicht vor gehabt, den Typen zu provozieren, aber manche fühlen sich wohl einfach angegriffen.

    Hast du Angst davor, dass du irgendwann einmal den Bogen überspannst, es dir mit deinen Fans verdirbst?

    Ja, auf jeden Fall. Saltbae zum Beispiel (Anm. der Redaktion: Ein durch ein Meme bekannt gewordener türkischer Luxuskoch): Nach dem WM-Finale in Katar wollte er Salz über den Pokal streuen und hat sich dabei so blamiert… Er hat das selbst gar nicht gemerkt. Der ist so in seinem eigenen Ego gefangen, will immer mehr und immer mehr, dass er gar nicht merkt, wenn es den Berg runter geht und er sich unbeliebt macht. So möchte ich niemals enden.

    Warum ausgerechnet die Figur Link?

    Einmal natürlich wegen der Straßenmusik. Und weil Link so vielseitig ist, Link läuft ja auch in der Stadt herum und löst Rätsel, und das kann man prima in Aachen umsetzen.

    Möchtest du sonst noch was sagen?

    Vielleicht noch irgendwas, das gut für meine Karriere wäre? Irgendwas mit Sebastian Pufpaff? Aber da fällt mir gerade auch nichts ein. Ich glaube, es ist am besten, die Karriere dem Zufall zu überlassen. Und acbushofmemes.

    Clara Heuermann
    Clara Heuermann
    Chefredakteurin, Alliterations- und Neologismen-Fan. Schreibt über Politik, Protest und das Leben in Aachen, wenn sie nicht gerade mit ihrem Hund die Eifel unsicher macht.

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